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Holzkanu selber bauen - welche Bauweise?

Ein Holzkanu selber zu bauen ist ein großes aber auch sehr erfüllendes Projekt. Je nachdem wieviel handwerkliches Können, Zeit und Ausrüstung du zur Verfügung stehen hast, kommen unterschiedliche Bauweisen für dich in Frage. Du möchtest ein Holzkanu selber bauen und bist du dir noch unsicher, welche Bauweise du umsetzten möchtest? Vielleicht findest eine Antwort in unserem Bauweisen-Vergleich:

Leistenbauweise

Die wohl herausfordernste Bauweise ist die Leistenbauweise, bei der konkav und konvex gefräste Holzleisten auf Mallen zu einem filigranen Rumpf verleimt werden. Dies lässt sich einfach und schnell mit Tackern bewerkstelligen oder, wesentlich aufwändiger aber auch schöner, ohne Tacker. Für die Herstellung der Leisten eignet sich im Grunde jede Holzart, da das Holz durch die anschließende Versiegelung mit GFK (Glasfaser und Epoxidharz) eher eine formgebende Rolle spielt. Die Holzeigenschaften sind hier nebensächlich. Achte nur darauf, dass sich das Holz gut verarbeiten lässt und nicht zu schwer ist. Nicht ohne Grund hat sich bei der Leistenbauweise das Holz der Thuja plicata, bekannt als Red-Cedar, durchgesetzt. Es ist sehr leicht, homogen, einfach zu bearbeiten, äußerst Dauerhaft und riecht nebenbei noch sehr gut. Zur Herstellung der Leisten benötigst du eine Tischkreissäge und einen Frästisch, auf dem du die 6mm starken Leisten mit einem "Rolladenfräser" bearbeiten kannst. Hiervon brauchst du je nach Bootsbreite ca. 80-100 Stück, möglichst in voller Länge. Sind die Leisten zu kurz kannst du sie aber auch auf Stoß verbauen. Als nächstes braucht du eine Helling, auf der du die Mallen aufstellen kannt. Die Helling sollte möglichst stabil und gerade sein. Auf ihr stellst du die Mallen auf, die du dir mithilfe eines Bauplans selbst aussägst. Nimm dir Zeit, die Mallen auf der Helling genau auszurichten, damit dein Kanu später symmetrisch wird. Mit der Beplankung beginnst du vom Süllrand aus und arbeitest du nach oben Richtung Kiel. Die ersten Leisten sind noch einfach anzubringen, am Ende gilt es aber das Loch am Kiel zu füllen, wo etwas anspruchsvollere Anpassungsarbeiten nötig sind. Es folgt ein Schliff des äußeren Rumpfes und schließlich das Aufbringen des Glasfaserverstärkten Epoxys. Dies ist eine Kunst für sich und muss nicht beim ersten Mal perfekt gelingen. Wichtig ist eine geeignete Temperatur, ein aufeinander abgestimmtes System aus Glasgewebe und Harz, konzentriertes und zügiges Arbeiten und ein guter Arbeitsschutz. Nach dem Laminieren des äußeren Rumpfes wird das halbfertige Holzkanu von den Mallen gehoben und von innen geschliffen. Danach folgt der Schliff und die Laminierung des inneren Rumpfes, was allein durch die Form sehr viel anspruchsvoller ist als außen. Nachdem beide Seiten laminiert sind, wird das ausgehärtete Epoxidharz fein angeschliffen und so für die spätere Lackierung vorbereitet. Bevor diese aufgebracht wird, gilt es aber noch die inneren und äußeren Dollborde, Sitze, Ducht und Decks einzubauen. Alleine über diese Bauteile könnten wir noch einige Blogartikel schreiben, du siehst also, dass es nicht ganz einfach ist ein Holzkanu in Leistenbauweise selber zu bauen. Verfügst du über etwas handwerkliches Geschick verfügst und dich in die vielen guten Bücher über den Kanubau einliest, wirst du das Projekt bestimmt umsetzen können!


Stitch-and-Glue

Die Stitch-and-Glue-Bauweise ähnelt der Leistenbauweise, jedoch wird der Rumpf anstelle von schmalen Holzleisten aus Sperrholzplanken gebaut. Diese werden nach einem Bauplan ausgesägt und ergeben, ihrer speziellen Form folgend, die Rumpfform des Kanus. Die Planken aus 5mm starkem Sperrholz werden zuerst mit Draht "vernäht" und anschließend mit Epoxidharz verklebt, geschliffen und schließlich mit GFK laminiert. Bei der Stitch-and-Glue-Bauweise entstehen zwangsläufig Knickspanter, also Rumpfformen mit Kanten. Wer dies nicht mag ist mit der Leistenbauweise besser beraten, ansonsten ist die Stitch-and-Glue-Bauweise unser Tipp für dich, wenn du wenig Zeit hast und doch dein Kanu selbst bauen willst.




Skin-on-Frame / Fuselage-Frame

Unsere favorisierte Bauweise ist die Skin-on-Frame-Bauweise, die man in traditioneller Art mit dampfgebogenen Spanten oder in moderner, Fuselage-Frame-Bauweise umsetzen kann. Bei der traditionellen Bauweise wird ein Holzrahmen aus Dollborden, dampfgebogenen Ribs (den Querspanten) und Stringern (Längsspanten) aufgebaut, der mit Kunstsehne verknotet wird. In der Fuselage-Frame-Bauweise werden die dampfgebogenen Spanten durch Bauteile aus Sperrholz ersetzt, was weniger Zeitaufwändig ist und keiner Dampfkammer bedarf. Der Holzrahmen, der dem Kanu seine Form verleiht, wird anschließend gewissenhaft geölt und dann mit Gewebe bespannt und lackiert. Zur Bespannung eignen sich Polyamid (Nylon), Polyester oder auch Baumwolle. Die Lackierung macht das Gewebe wasserdicht und den Holzrahmen schließlich zu einem Kanu. Diese Bauweise ist zu empfehlen, wenn du ein sehr leichtes und doch robustes Kanu selber bauen willst. Die verwendeten Materialien sind in der Verarbeitung anwenderfreundlicher als bei der Leistenbauweise. Auch erfordert die SOF-Bauweise weniger Fleißarbeiten, wie zum Beispiel tagelanges Schleifen. Solltest du dich für die traditionelle SOF-Bauweise entscheiden, kannst du dich auf das Dampfbiegen freuen, was wirklich das handwerkliches Highlight im Skin-on-Frame Kanubau ist!

Der filigran anmutende Holzrahmen und das transparente Äußere, durch das die Sonne scheint und den Frame sowie die Beine der Kanuten als Schatten zeigt, führen oft zu der Schlussfolgerung, dass SOF-Kanus nicht sehr robust sind. Dass sie es doch sind, haben uns viele Begegnungen mit Steinen und Ästen gezeigt, wir würden Skin-on-Frame-Kanus also auch für Flüsse empfehlen!


Vergleich der Bauweisen

Neben den Anforderungen an deine handwerklichen Fähigkeiten, der Wahl des Designs und des Einsatzgebietes des Kanus sowie dem Material spielt natürlich auch der Preis eine Rolle.

Die Leistenbauweise ist hier deutlich teurer als die anderen Bauweisen. Wenn du Red Cedar und Eschenholz nutzen möchtest solltest du für das komplette Material für ein selbst gebautes Leistenkanu etwa 1000-1200€ rechnen. Die Stitch-and-Glue-Bauweise ist hier etwas günstiger und für viele sicherlich auch aufgrund des geringeren Zeitaufwandes attraktiv. Die Skin-on-Frame-Bauweise lässt sich am günstigsten realisieren. Hier solltest du mit etwa 500-600€ für einen Kanadier auskommen, wenn du Red Cedar und Eschenholz verwendest. Vom zeitlichen Aufwand, der natürlich vor allem von deinen Fähigkeiten und der Erfahrung abhängt, musst du für die Leistenbauweise die meiste Zeit aufbringen, für die Skin-on-Frame-Bauweise die wenigste. Betrachtet man ökologische Aspekte hat die Skin-on-Frame-Bauweise klare Vorteile. Die Holzkonstruktion wird ausschließlich mit natürlichen Ölen behandelt und bleibt verrottbar. Lediglich die Kunstsehne, mit der der Frame verknotet wird, sowie der lackierte Skin sind aus Kunststoff, wobei du dich auch hier für Alternativen aus Baumwolle und Lacken auf natürlicher Basis entscheiden kannst.


Kannst du dich noch nicht entscheiden?

Egal für welche Bauweise du dich entscheidest, letztendlich kannst du in deinem selbst gebauten paddeln und das Gefühl ist einfach unbeschreiblich! Wir hoffen dass wir dir mit diesem Artikel bei der Wahl der Bauweise für dein Holzkanu helfen konnten und wünschen viel Spaß beim selber bauen!



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