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Kanubau - Klares Laminat mit Epoxidharz herstellen

Ein Leistenkanu besitzt einen sehr filigranen Rumpf aus dünnen Holzleisten, der sich statisch gesehen noch nicht zum Paddeln nutzen lassen würde. Der Holzrumpf hat bei dieser Bauweise lediglich einen formgebenden und natürlich einen optischen Nutzen. Um das Holz weiter sichtbar zu lassen, den Rumpf aber trotzdem zu versteifen wird eine Lage GFK auf der Aussen- und der Innenseite aufgebracht. GFK ist die Abkürzung für "Glasfaserverstärkter Kunststoff", also eine mit Glasfaseren armierte Kunststoffschicht. Die Glasfasern werden hierbei als fertiges Gewebe in Köper- oder Leinwandbindung aufgebracht, wobei im Kanubau die Köperbindung zu bevorzugen ist, da sich diese besser an Konturen anpassen lässt. Der Kunststoff wird in Form eines Zweikomponentigen Epoxidharzes aufgebracht, das nach dem Vermischen der Komponenten sehr dünnflüssig ist und sich somit beim Tränken des Glasgewebes um die Glasfasern legt. Die Lichtbrechung an den bisher weiss gefärbten Glasfasern wird somit fast komplett aufgehoben und das Glasgewebe "verschwindet" im Epoxidharz. Das GFK macht - unserer Einschätzung nach - etwa 80% der Statik eines Kanurumpfes aus, das Holz lediglich 20%.


Lies dir bevor du mit Epoxidharzen arbeitest auch unbedingt unseren Artikel zum Arbeitsschutz mit Epoxidharzen durch, da das Material nicht ungefährlich ist!

Was ist daran so schwierig?

Ein Kanu zu laminieren sollte jeder hinbekommen - jedoch ist es nicht einfach das Laminat sehr klar, gleichmäßig und frei von Unebenheiten aufzubringen. Unsere Tipps sollen dir helfen ein klares, gleichmäßiges GFK Laminat herzustellen, denn nichts ist nach dem langwierigen Prozess des Beplankens ärgerlicher als der Anblick eines schlecht aufgebrachten Glasfaserlaminats.



Schliff des Holzrumpfes

Bevor du das GFK aufbringst, solltest du den Rumpf ordentlich Schleifen, bis keine Flecken von Leim mehr zu sehen sind und alle Unebenheiten entfernt wurden. Mache einen Feinschliff in Richtung der Holzmaserung mit 120er bzw. 180er Korn - nicht zu fein, damit das Epoxidharz sich besser mit dem Holz verbinden kann. Wische den kompletten Rumpf nun einmal mit einem feuchten Lappen ab, damit sich die Holzfasern aufstellen, lasse ihn trocknen und schleife nun noch einmal die aufgestellten Fasern ab. Bevor du im nächsten Schritt das Gewebe auflegst, solltest du den Rumpf sehr gewissenhaft entstauben und möglichst auch deine Werkstatt (vor allem den Boden) entstauben.


Glasgewebe auflegen

Kaufe das Glasgewebe möglichst gerollt, da gefaltete Stellen das Laminieren erschweren können und die Falten manchmal am fertigen Boot noch leicht zu sehen sind. Das Glasgewebe solltest du behandeln wie ein rohes Ei: vermeide Fettflecken, da sich ansonsten das Epoxidharz nicht mehr mit den Glasfasern verbindet und du später das Gewebe im Laminat siehst. Achte auch darauf sonstige Verunreinigungen vom Gewebe fernzuhalten und trage deshalb Baumwollhandschuhe, wenn du das Gewebe anfasst. Rolle das Gewebe, am besten mit einem Helfer, von einer Bootsspitze über den Rumpf aus und streiche es vorsichtig glatt. Beachte, dass sich vor allem bei der Köperbindung leicht Fasern verschieben. Ein sauberer, weicher Pinsel eignet sich gut zum Glattstreichen.


Epoxidharz vorbereiten

Wähle zum Laminieren ein Harz mit einer langen Verarbeitungszeit. Um stets mit frischem Epoxidharz zu arbeiten, empfehlen wir dir nach Bedarf mehrere kleine Mengen als eine zu große Menge anzumischen. Wiege hierzu die Komponenten getrennt in 200ml Plastikbechern ab, sodass du diese bei Bedarf nur noch vermischen musst. Unvermischte Teile Harz bzw. Härter kannst du später wieder in die Gebinde zurückkippen. Nutze zum Abwiegen eine genaue Waage, um das Mischungsverhältnis einzuhalten. Rechne dir vorher die nötigen Anteile Harz und Härter nach den Herstellerangaben aus. Bereite dir ausreichend Harz- und Härteranteile vor, falls dein Verbrauch höher sein sollte. Organisiere am besten eine zweite Person, die dir beim Mischen helfen kann, während du laminierst.




Laminieren

Bei Laminieren solltest du für eine warme Raumtemperatur sorgen, da so das Harz dünnflüssiger ist, tiefer ins Holz einzieht und somit eine bessere Verbindung entsteht. Starte bei etwa 25°C und senke die Raumtemperatur während der Verarbeitung leicht, da bei steigender Raumtemperatur das Holz ausgasen kann und sich kleine Luftblasen unter dem Epoxy bilden, die du nicht mehr entfernen kannst.

Vermische die Harzkomponenten gründlich durch mehrmaliges hin- und herschütten zwischen den Bechern, damit das Mischungsverhältnis beibehalten wird. Verrühre die Komponenten nun mit einem Holzspatel, bis das Harz klar und frei von Schlieren ist. Steiche mit dem Spatel auch an den Seiten des Bechers und dem Boden entlang. Einmal vermischt läuft die Zeit, da die Aushärtung des Harzes eine exotherme Reaktion ist, die Wärme freisetzt. Je länger das Harz kompakt im Becher verbleibt, desto mehr Wärme wird freigesetzt und desto schneller härtet es aus. Bringe das Harz also zügig auf deinem Rumpf aus und verteile es mit einem Lackierpinsel. Trage es nicht zu dünn auf, damit genug Harz vorhanden ist, das ins Holz einziehen kann. Anderenfalls läufts du Gefahr, dass das Gewebe nicht ausreichend gesättigt ist.

Arbeite Nass-in-Nass, achte also darauf eine feuchte Kante aufrecht zu erhalten, da ansonsten später Übergänge zurückbleiben könnten. Auch hier ist es von Vorteil, wenn dir eine Zweite Person hilft, da so jeder eine Rumpfhälfte laminieren kann.

Tipp: nutze zum Aufbringen der ersten Lage Epoxidharz keine Lackierwalzen, da diese Luftblasen unter das Gewebe bringen können, die du später nicht mehr entfernen kannst!

Überschüssiges Harz entfernen

Lasse das Harz nun eine gewisse Zeit ins Holz einziehen. Wie lange dies dauert ist vom Härter und der angegebenen Verarbeitungszeit abhängig. Hier lassen sich allenfalls Pauschalaussagen machen, jedoch ist eine Wartezeit von ca. 10-15 Minuten realistisch.

Im nächsten Schritt musst du das überschüssige Harz entfernen, damit das Gewebe am Holzrumpf anliegt. Bei einer zu großen Menge Harz kann es vorkommen, dass das Gewebe im Harz aufschwimmt, was häufig der Grund für Unebenheiten ist. Das Abnehmen des Überschüssigen Harzes erfolgt mit einer Kunststoffklinge. Es gibt extra für diesen Zweck Kunststoffklingen mit einer auf das Laminieren von Epoxidharzen abgestimmen Härte. Zum Abnehmen wirst du wahrscheinlich eine zweite Person benötigen, da du nach 10-15 Minuten immer noch laminierst. Führe die Kunststoffklinge vom Kiel ausgehend in einer flüssigen Bewegung zu einer Seite hinunter. Achte darauf die Klinge immer in einem bestimmten Winkel zum Rumpf zu halten und immer mit dem gleichen Druck zu arbeiten. Der Winkel der Klinge sollte etwa 45° betragen. Hälst du die zu flach, presst es das Harz hinter der Klinge wieder heraus, hälst du sie zu steil, wird zu viel Harz entfernt. Arbeite immer nur mit wenig Druck um das Gewebe nicht zu verschieben und nicht zu viel Harz heraus zu drücken. Das überschüssige Harz an der Klinge streifst du in einen Plastikbecher ab und stellst es an einen sicheren Ort. Das Harz im Becher kann bei der Aushärtung sehr heiss werden und aufschäumen. Fülle die Becher also nicht zu voll und fasse ihn erst wieder an, wenn die Aushärtung abgeschlossen ist. Entferntes Harz musst du wegschmeissen, es kann nicht mehr verwendet werden.


Foto: Ein Kajakrumpf nach dem Entfernen des überschüssigen Epoxidharzes - die Gewebestruktur ist noch sichtbar. Das Gewebe wurde an den Steven eingeschnitten und jeweils um den Steven auf die andere Seite des Rumpfes gelegt. So liegt am Steven, der häufig mit Steinen kollidiert, eine doppelte Lage Glas. Die im Foto erkennbaren, parallel zum Steven verlaufenden Kanten werden von den Fillcoats egalisiert und sind nach dem Schleifen nicht mehr sichtbar.


Fillcoats

Nach dem Entfernen des überschüsseigen Epoxidharzes ist der Holzrumpf wieder sichtbar, jedoch ist die Gewebestruktur immernoch erkennbar. Die erste Schicht Harz muss nun teilweise aushärten, bevor mehrere dünne Fillcoats aufgebracht, die eine gleichmäßige Schicht über dem Gewebe bilden, sodass dieses gänzlich unter dem Harz verschwindet. Auch ist es wichtig eine gewisse Schichtdiche über dem Gewebe herzustellen, da du den Rumpf später als Vorbereitung zum Lackieren nochmals schleifen wirst. Fehlt dir hierbei die nötige Schichtdiche, kann es passieren, dass du ins Gewebe schleifst: Diese Stellen kannst du nie wieder ausbessern, sie werden ewig als weisse Stellen unter dem Lack sichtbar bleiben.

Für den ersten Fillcoat ist die Zeit gekommen, wenn die vorige Schicht Harz nur noch leicht klebrig ist, jedoch keine "Fäden" mehr zieht. Kontrolliere dies nicht mit deiner Haut, sondern mit einem Nitrilhandschuh!

Die Fillcoats kannst du auch mit einer lösungsmittelgeeigneten Lackierwalze aufbringen. Dabei gilt die Devise: Lieber mehr dünne Fillcoats als wenige dicke! Möglicherweise musst du dir für die Fillcoats auch mitten in der Nacht einen Wecker stellen ;)


Weitere Tipps

Du solltest die Möglichkeit zum Lüften haben, beachte aber, dass Insekten von den Dämpfen des Harzes angezogen werden und gerne ins klebrige Laminat fliegen. Statte deine Fenster daher mit Fliegengittern aus.



Fertig lackierter Bootsrumpf unseres Freedom15 Kanadiers:


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